Demokratie (er)leben.
„Einmischen!“ am Schönborn-Gymnasium
Wer an seine eigene Schulzeit denkt, erinnert sich wohl meist an jene Momente, die über das reine Auswendiglernen von Vokabeln, Gedichten oder Formeln hinausgingen. Es sind die gemeinsamen Erlebnisse und die Projekte, die uns geprägt haben. In genau dieser Tradition stehen die letzten beiden Schuljahre, in denen wir als offizielle Projektschule am Programm „Einmischen!“ teilnahmen – einer Initiative der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit und des Wertebündnis Bayern.
Dass unsere heutige Schülerschaft bereit ist, über den Tellerrand hinauszublicken, bewiesen bereits im vergangenen Schuljahr 25 Schülerinnen und Schüler der Mittel- und Oberstufe. Nach zwei obligatorischen „Auftaktworkshops“, in denen sie von den Teamern Vanessa, Lara und Benjamin in Thematik und Methodik der Projektarbeit eingeführt wurden, investierten unsere Schüler über acht Wochen intensive Arbeit in ihr selbstgewähltes Thema: „Demokratiegefährdung und die Spaltung der Gesellschaft“. Und zwar in ihrer Freizeit!

Der Projekttag im Schuljahr 2024/25: Unsere Schüler/-innen zusammen mit Hr. Guck in Maria-Bildhausen.
Als Kooperationspartner konnten wir das Kloster Maria Bildhausen bzw. das Dominikus-Ringeisen-Werk gewinnen. Mit großartiger Unterstützung von Herrn Matthias Guck (dem dortigen Leiter der Öffentlichkeitsarbeit) tauchten die Jugendlichen tief in die Geschichte und Gegenwart dieses besonderen Ortes ein. Besonders bewegend war dabei die Auseinandersetzung mit dem Schicksal der dort betreuten Menschen während der NS-Diktatur.
Die Arbeit gipfelte am 9. Juli 2025 in einem Projekttag für eine unserer GT-Klassen aus der Mittelstufe. Die Projektschüler nahmen dabei die Jüngeren buchstäblich „an die Hand“: Nach einer thematischen Hinführung und einer Ausstellung in der Whitehall, welche den Schülern vor Augen führte, dass Demokratie und gesellschaftlicher Zusammenhalt durchaus keine Selbstverständlichkeit sind, ging es per Bus ins nahegelegene Maria Bildhausen.
Dort stand nicht die Theorie im Vordergrund, sondern die Begegnung mit Menschen und Orten – welche Geschichte lebendig und Gegenwart erfahrbar machen sollte.
Geführt und begleitet von Herrn Guck setzten sich die Jugendlichen mit den Besonderheiten und der Historie dieses Ortes auseinander. Im Klostercafé hatten sie Gelegenheit zum direkten und zwanglosen Austausch mit Menschen mit Behinderung sowie deren Betreuern. Diese Gespräche und der abschließende Besuch des Erinnerungsorts für die Opfer der NS-Euthanasie hinterließen bleibenden Eindruck. Von den über 18.000 schutzlosen Menschen mit Behinderung, die zwischen 1940 und 1941systematisch ermordeten wurden, stammten hunderte aus Einrichtungen unseres Partners. Geschichte, die unmittelbar vor unserer Haustür liegt und doch oft so fern scheint…
Dieses Projekt war so beeindruckend, dass wir uns für 2025/26 erneut beworben haben. Mit Erfolg: Am Schönborn-Gymnasium haben sich erneut junge Menschen „eingemischt“! Diesmal hat unsere GT-Klasse 8b das Zepter übernommen. Im Rahmen des wöchentlichen Projektnachmittags widmeten die Schüler sich über mehrere Wochen hinweg dem Thema „Soziale Gerechtigkeit“. Mit dem „Netzwerk für Soziale Dienste“ (Knopfkiste und Mürschter Kinderhaus) wurde dabei ein starker lokaler Partner gewonnen – der den meisten noch weitgehend unbekannt war. Das änderte sich am gemeinsamen Projektnachmittag Anfang Februar 2026, bei dem (getreu dem Motto „miteinander statt nebeneinander“) der Austausch und das gegenseitige Kennenlernen im Vordergrund standen.
Solche Projekte beweisen, wie wertvoll unser Profil als gebundenes Ganztagsgymnasium ist. Die Zeit und der pädagogische Raum, den wir hier bieten, ermöglichen ein „Match“ zwischen schulischem Lernen und gesellschaftlichem Engagement, das im klassischen Vormittagsunterricht kaum Platz fände. Projektorientiertes Lernen braucht Zeit, Raum und pädagogische Begleitung – Strukturen, die wir am Schönborn-Gymnasium fest verankert haben.
OStR Daniel Karch (Fotos: Daniel Karch)

