Mit dem Zug von Münnerstadt nach Mexiko?!
Bei kühlem Novemberwetter startete das W-Seminar „México“ mit elf Schülerinnen und Schülern sowie Frau Kummert und Herrn Triphan morgens am Bahnhof Münnerstadt zu einer Exkursion nach Berlin. Dort begrüßte uns sonniges Wetter, wodurch der zur freien Verfügung stehende Nachmittag beispielsweise perfekt für einen Spaziergang zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten genutzt werden konnte, bevor der Tag mit einem gemeinsamen mexikanischen Abendessen im Restaurant „Qué pasa“ ausklang. Bei sopas, ensaladas, tacos, quesadillas, burritos, enchiladas und bowls lernten wir die Vielfalt der mexikanischen Küche kennen – zumindest so, wie sie in Deutschland angeboten wird. Dank der großen Auswahl fand jede und jeder etwas, das ihr bzw. ihm schmeckte.
Am nächsten Morgen ging es nach dem Frühstück bei Nieselregen zum eigentlichen Ziel der Exkursion: der Embajada de México en Alemania. Schneller kann man kaum nach Mexiko reisen, denn die Botschaft gilt offiziell als mexikanisches Hoheitsgebiet. Dort wurden wir von Frau Tuglu vom mexikanischen Kulturinstitut empfangen, die 22 Jahre in Mexiko gelebt hatte und Land und Leute bestens kennt. Sie führte uns auf einer spanischsprachigen Führung durch den eindrucksvollen Eingangsbereich der Botschaft, dessen Architektur an historische Maya-Stätten sowie die mexikanische Landschaft erinnern soll und auf vielfältige Weise an die komplexe Realität Mexikos „als ein junges Land vermischt mit tausendjähriger Kultur“ anknüpft. Besonders schön war die auf Stufen angelegte große Sammlung an Kakteen. Auch von außen beeindruckt das vom mexikanischen Architektenduo Teodoro González de León und Francisco Serrano entworfene Gebäude durch seine monumentale Fassade.
Während der Führung erfuhren wir viel Interessantes über die Arbeit der Botschaft und der Diplomaten sowie über das Leben von Mexikanerinnen und Mexikanern in Deutschland. Besonders beeindruckend fand die Gruppe die Information, dass keinem Mexikaner und keiner Mexikanerin der Zutritt zur Botschaft verwehrt werden darf. Das 2018 gegründete Kulturinstitut von Mexiko hat darüber hinaus die Aufgabe, den interkulturellen Dialog und die Beziehungen zwischen Deutschland und Mexiko zu fördern und lädt mehrmals im Jahr zu Events ein, die mexikanische Kultur sichtbar machen und insbesondere auch Künstlerinnen und Künstlern sowie Kulturschaffenden im Allgemeinen einen Raum geben soll. Ein Besuch lohnt sich!
Ein weiterer Höhepunkt war der prächtige Altar anlässlich des Día de los Muertos. Frau Tuglu erläuterte die Herkunft und Bedeutung dieses wichtigen, mehrtägigen mexikanischen Feiertages, die Entstehung der heute weltweit bekannten Skelettdame „La Catrina“ sowie regionale Unterschiede, etwa in Xochimilco, wo mit Blumen geschmückte Boote durch die Kanäle fahren. Sie erklärte außerdem die zentralen Elemente der Altäre wie flores de cempasúchil (Studentenblume), pan de muertos (Totenbrot), calaveras (Schädel) und velas (Kerzen) und wies darauf hin, dass diese durch Fotos und persönliche Gegenstände der Verstorbenen ergänzt werden – etwa Bücher, Süßigkeiten, Tequila oder Spielsachen. Die vorherrschenden Farben der farbenfrohen Altäre sind häufig Lila und Orange. Mit Halloween hat dieser Feiertag kaum etwas gemeinsam! Statt Grusel und Geistervertreibung stehen in Mexiko die Familie, die feierliche Erinnerung an die Verstorbenen sowie deren Ehrung im Vordergrund. Auch von Allerheiligen und Allerseelen unterscheidet sich der Tag der Toten stark: Während diese Feiertage eher andächtig, still und traurig sind, ist der Día de los Muertos ein buntes, lebensbejahendes Fest, denn der Tod wird als Teil des Lebens gesehen, nicht als dessen Ende.
Zum Abschluss nahm sich Frau Tuglu viel Zeit, um all unsere Fragen zu beantworten, nicht nur zur Arbeit der Botschaft und zum Día de los Muertos, sondern auch zu anderen Festen und Bräuchen, zum Leben von Mexikanerinnen und Mexikanern in Deutschland, zu ihren persönlichen Erfahrungen des Lebens in Mexiko sowie zur Sicherheitslage, insbesondere im Zusammenhang mit dem Drogenhandel. Spontan ergab sich zudem die Möglichkeit, mit einem mexikanischen Diplomaten zu sprechen, der uns seine persönliche Definition von „mexicanidad“ näherbrachte.
Nach der Führung gab es außerdem die Möglichkeit, an den alas de México (Flügeln Mexikos) außerhalb des Botschaftsgebäudes für ein Foto zu posieren. Wer kulinarisch noch nicht auf seine Kosten gekommen war, konnte bei XOLO Streetfood authentische tacos mit horchata auf Spanisch bestellen, bevor es am Nachmittag wieder mit dem Zug nach Hause ging.
Insgesamt war es ein spannender Ausflug mit vielen interessanten Eindrücken und eine tolle Gelegenheit, um auf Spanisch zu kommunizieren. So einfach und schnell kommt nicht jeder nach Mexiko!
StRin Sabrina Kummert
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