Warum werden Jugendliche straffällig? Eine mögliche Antwort auf diese Frage stellte das White Horse Theatre den siebten bis neunten Klassen mit dem Stück „Light Fingers“, zu deutsch etwa „Flinke Finger“, vor.

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Dennis, ein etwa fünfzehnjähriger Teenager, möchte auch gern ein „cooler Typ“ sein und bei seinen Klassenkameraden Zack und Gina Eindruck schinden. Zack schlägt vor, für Gina ein Parfüm zu „besorgen“, „Infatuation“ wäre da genau das Richtige. Dennis lässt sich darauf ein, nicht zuletzt deshalb, weil es ihm Gina angetan hat. Im Parfümgeschäft sprüht er wild um sich und rennt panisch hinaus auf die Straße; den Flakon hat er sich mechanisch ohne zu überlegen in die Hosentasche gesteckt. Als er seine Freunde wieder trifft, ist er sich zunächst gar nicht bewusst, dass er die Probeflasche eingesteckt hat. Erst Gina entdeckt sie an ihm. Er macht auf cool und überreicht sie ihr schließlich.

Ein zweites Mal lässt sich Dennis zum Diebstahl eines brandneuen, sündhaft teuren iMac anstacheln, der ihm bereits unzählige Male über Werbeslogans angepriesen wurde. Er hat bereits ein ganz akzeptables Gerät daheim in seinem Zimmer stehen, natürlich ist es bereits eineinhalb Jahre alt und wenn er games designer werden möchte, so hält er seinem Vater vor, braucht er ein viel leistungsfähigeres Gerät. Ferienarbeit bringt ihm viel zu wenig ein, um das ersehnte Teil in absehbarer Zeit erwerben zu können. Als Gina davon erfährt, bietet sie sich als Komplizin an. Sie gibt sich im Elektronikgeschäft als amerikanische Touristin aus, um den Verkäufer abzulenken, während es Dennis letztendlich gelingt, das Ausstellungsstück in einen Koffer zu packen und gemeinsam mit Gina zu fliehen. Die Freude währt jedoch nicht lange: Die Polizei taucht auf und der Jugendrichter verurteilt Dennis und Gina zu 50 Stunden gemeinnütziger Arbeit.

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Mit großem körperlichen Einsatz und sehr glaubhafter Mimik und Gestik gelang es dem Hauptdarsteller, die psychische Befindlichkeit eines Jugendlichen darzustellen, der hin- und hergerissen ist zwischen dem, was ihm vom Elternhaus als Verhaltensmaßstab mitgegeben wurde und der andererseits dem Druck seiner sogenannten „Freunde“ ausgesetzt ist.

Das temporeiche Stück war von der Handlungsführung her zwar nicht in allen Punkten überzeugend, beleuchtete jedoch sehr eindringlich das Spannungsfeld, dem sich vor allem Jugendliche angesichts von Konsumterror, Markenfetischismus und dem Druck, dazugehören zu wollen, ausgesetzt sehen.

StDin Margot Dörr

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